Auf Wiedersehen AVRO ✈ SWISS Abschiedsflug über die Alpen

Die Reise begann für mich am 19. August 2017 um 4 Uhr früh in Valbella-Lenzerheide, wo ich im Urlaub verweilte. Es war stockfinstere Nacht, der Regen trommelte auf das Autodach und dazu heulte der Wind. Ich fuhr sehr vorsichtig, da auch Fuchs, Hase, Reh, Hirsch, Wolf und Bär - ja die gibt es wirklich alle im Bündnerland - hätten unterwegs sein können. Im Abblendlicht konnte ich Reh und Fuchs guten Morgen sagen. Im bahnhofnahen Parkhaus in Chur angekommen, fuhr ich dann mit dem ersten Zug nach Zürich - Flughafen. Dort erwartete mich mein guter Freund Rafael, der uns ofenfrische Croissants organisiert hatte. Nach einer kurzen Kaffeepause, begaben wir uns frühzeitig zum Check-in-Schalter. Bald schon wurde die Menschenschlange hinter uns immer länger. Die Stimmung war fröhlich, alle freuten sich rieisg auf den Jumbolino-Flug. Das Check-in begann pünktlich. Ich erkundigte mich nach einem Fensterplatz, doch die Sitzplätze wurden im Voraus schon fix zugeteilt. Die liebe Swiss gewährte uns doch tatsächlich einer der besten Fensterplätze auf Sitz 2A, wo man sogar die Triebwerke beobachten konnte. Grosszügig überliess Rafael mir den Fensterplatz, obschon ich den gerne geteilt hätte. Ich freute mich enorm auf den bevorstehenden Flug und strahlte wie ein Honigkuchenpferd.

Der Abschiedsflug wurde von vier Captains organisiert, die uns alle fröhlich willkommen hiessen. Captain Peter Huber verkündete über den Lautsprecher spannende Details über den Jumbolino und kommentierte begeistert den Alpenrundflug. Die Maschine HB-IYZ startete um 09:04 Uhr auf der Piste 28. Ich konnte einen Blick auf den Zürichsee werfen, bevor wir in den Wolken entschwanden. Als der Jumbolino die Wolken durchbrach und von der Sonne angestrahlt wurde, guckte der höchste Berner Gipfel (4'274 m), das Finsteraarhorn, hervor. Kurz darauf folgte das weltbekannte Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, das dem Jumbolino ein letztes Mal zu Füssen lag. Es kamen wieder vermehrt Wolken auf, so dass ich mich dem kulinarischen Höhenflug widmen konnte. Es wurde ein Mineralwasser und ein Becher Vanille-Schokoladen-Glacé serviert, die eigens für den Abschiedsflug hergestellt wurde. Den Deckel mit der Aufschrift "Goodbye Avro" habe ich natürlich aufgewahrt. Nach dieser Schlemmerei herrschte perfekte Sicht auf das monumentale Monte-Rose-Massiv mit der majestätischen Dufourspitze, dem höchsten Berg der Schweiz (4'634 m). Sogar der König der europäischen Berge, der Mont Blanc (4'810 m) war gut sichtbar und erwies dem Swiss Jumbolino die letzte Ehre. 

Ich erinnerte mich kurz daran, wie ich als Kind wegen meiner Lungenkrankheit im obersten Stock des Berner Inselspitals lag. In dieser furchtbar schweren Zeit war die Dan-Air BAe 146-100 stets mein Aufsteller des Tages. Das Flugzeug flog täglich von London Gatwick ins Belpmoos, dessen Anflug nahe vor dem Spitalfenster vorbeiführte. Der Jumbolino hat für mich eine ganz besondere Bedeutung erlangt. Und nun befand ich mich auf dem Abschliedsflug, was für eine Ehre!

Wir flogen weiter übers Wallis, bestaunten die vielen wunderschönen Berggipfel, die saftig grünen Täler und die tiefblauen Bergseen. Als wir die kurvenreiche Grimselpassstrasse überflogen, drehte auch der Jumbolino ab in Richtung Zürich und setzte zum Sinkflug in die Wolkensuppe an. Die Landeklappen und die Fahrwerke wurden ausgefahren, was beim Jumbolino unverkannbar schön klingt. Die vier Triebwerke dröhnten und heulten, reinste Musik für meine Ohren. Nach einem einstündigen Flug setzten wir um 10:05 Uhr auf der Piste 14 in Zürich auf. Die Passagiere applaudierten kräftig, während das Flugzeug zum Standplatz rollte. Als Abschiedsgeschenk überreichte die Swiss jedem Fluggast ein Jumbolino-Modell und eine frisch gedruckte Safety Inscruction Card. Wir durften einen letzten Blick ins Cockpit werfen, wo wir uns bei den freundlichen Piloten für den unvergesslich tollen Alpenrundflug bedanken konnten. Beim Aussteigen erhielt der Jumbolino so mancher wehmütiger Abschiedskuss auf die Flugzeugnase - Goodbye Avro!

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